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Gemeinde Eggersriet

Die kleine Brückengeschichte

Die feierliche Brückeneinweihung, in Beisein von Regierungsrat Marc Mächler, St. Gallen, und Regierungsrat Dölf Biasotto, Appenzell Ausserrhoden, ist in guter Erinnerung. Im Rahmen dieser Eröffnungsfeierlichkeiten wurde die Entstehung der Hängebrücke skizziert. Es wurde gewünscht, dass diese «kleine Brückengeschichte» im Mitteilungsblatt publiziert wird, was wir hiermit gerne machen:

Ausgangslage

In den Jahren 2012 / 2013 haben die jährlichen Frühsommer-Unwetter dem Mattenbachtobel enorm zugesetzt. Auf der Eggersrieter-Seite sind nicht nur die Zugänge zur alten Brücke unterbrochen worden, sondern auch die Wanderwege längs des Mattenbachs. Was machen, wenn fast jährlich Zivilschutz und Werkdienst enorme Aufwände in Kauf nehmen mussten für die Herstellung der Wege? Eine andere Sanierung war zu prüfen. Als sinnvollste Variante erschien, an einem stabilen Geländesporn eine Abstiegsmöglichkeit zu schaffen, welche in Form eines Metall-Stegs wetterbeständig wäre. Solche Abstiegsmöglichkeiten sind im Gebirge oft anzutreffen, sind bewährt und im Bau und Unterhalt recht wirtschaftlich.

Projektänderung

Die vorgesehene Sanierung wurde gegenstandslos, als auch auf der Grub-AR-Seite die hölzerne Abstiegstreppe durch ein Unwetter zerstört wurde. Auf der Appenzeller-Seite ist der Zugang zum Mattenbach noch steiler, sodass für diese Flanke eine Sanierung mit einem Metallsteg unmöglich war. Beim gleichen Unwetter sind ebenfalls die bestehende Brücke und das Brückenwiderlager zerstört worden. Man brauchte also nicht nur eine Abstiegsmöglichkeit auf beiden Seiten, sondern auch eine neue Brücke.

Brückenwahl

Die bestehende Brücke (Metallgerüst und Gehwegplatten) im bisherigen Rahmen, an der ähnlichen Stelle und mit dem gleichen Freibord zu ersetzen, war kein Thema. Die neue Brücke muss einem künftigen Hochwasser standhalten. Somit musste eine Brückenkonstruktion gewählt werden, welche einen Durchlass des 300-jährige Hochwassers ermöglicht und somit ein Freibord von rund sechs bis acht Metern ergibt. Für eine solche Brücke war im Bereich der kantonalen Wanderwege nur eine einzige Position möglich, was durch die geologischen Abklärungen in der Folge bestätigt werden konnte.

Welche Brückenart ist richtig, ein Betonsteg, als günstigste Version, weil die Betonwiderlager ohnehin bei jedem Brückentypen gebaut werden müssen und somit die Auflage mit einem Betonsteg recht effizient wäre? Eine gedeckte Holzbrücke wäre passend zum Waldgebiet, ein Brückenbau mit authentischen Baumaterialien? Die dritte Variante wäre eine Stahlbrücke, also eine Art Eisenbahnbrücke für einen Fussweg? Sachfremd und von den Kosten her nicht vernünftig. Die Variante, eine Hängebrücke, ein Konstrukt, wo die Brückenlast durch Zugseile abgefangen wird, war naheliegend, von den Kosten her aber recht anspruchsvoll.

Hängebrückenwahl

Die SN-Energie hat in der Innerschweiz eine Seilbahn abgebaut und dank guten Beziehungen zur Firmenleitung konnten diese Tragseile übernommen werden. Damit war die Hoffnung gegeben, dass die Baukosten der Hängebrücke spürbar reduziert werden können. Mit den Planungsarbeiten wurde noch nicht begonnen, weil bei Bauprojekten über die Gemeindegrenze hinweg und über die Staatsgrenze hinaus zuerst umfangreiche Abklärungen stattfinden müssen. In der Zwischenzeit wurden aber die Tragseile abgeholt und eingelagert.

Projektwettbewerb Kantonalbank St.Gallen

Eine Gruber Einwohnerin hat die Gemeinde informiert, dass die St. Galler Kantonalbank nachhaltige Projekte sucht, welche im Geschäftsgebiet der Kantonalbank gelegen sind. Also im Kanton St.Gallen und Appenzell Ausserrhoden. Die Idee, dass eine Brücke die beiden Gemeinden / Kantone verbindet, motivierte, am Projektwettbewerb teilzunehmen. Eigentlich hat zu diesem Zeitpunkt niemand gerechnet, dass das Projekt den Maximalbeitrag von Fr. 100‘000.00 erhalten könnte. Es war eine positive Überraschung, als der Entscheid eröffnet wurde und auch Motivation, das Projekt im Jubiläumsjahr 2018 abzuschliessen und nicht ein ewiges Bauwerk aus der neuen Verbindung zu machen. Dass eine Hängebrücke wesentlich attraktiver ist, als eine tieferliegende Holzbrücke oder ein Steg, war offensichtlich. Nachdem die St.Galler Kantonalbank die Subvention gesprochen hatte, war klar, dass man unter dem Strich mit der teureren Version in die vergleichbare Kostennote kommt wie mit den andern Modellen.

Geologie

Im Gegensatz zu tieferliegenden Brücken, welche eine eigene Statik aufweisen und mit den Widerlagern (Brückenauflage) ein eigenständiges Bauwerk darstellen, ist eine Hängebrücke darauf angewiesen, dass es auf beiden Seiten die identische Höhenlage hat (Meter über Meer) und auch auf beiden Seiten die Geologie ausreichend ist, um die Tragseile zu verankern. Bevor überhaupt weitere Schritte in Angriff genommen wurden, mussten geologische Vorabklärungen getätigt werden, welche die Standortvarianten (auf beiden Seiten SG und AR) definierten. Die geologischen Gutachten haben gezeigt, dass es im Bereich der kantonalen Wanderwege wenig taugliche Übergänge gibt, wo ein solches Projekt überhaupt realisiert werden kann. Der Wanderwegkorridor war von den Erschliessungsbedürfnissen her fix.

Definitiver Standort

Glücklicherweise war auf der Appenzeller-Seite die Gemeinde Grub AR Eigentümerin des idealen Standortes. Auf der St.Galler-Seite gehört die entsprechende, passende Liegenschaft Privatpersonen, welche einer Aufwertung des Wanderweges, sowie eines Neubaus der Brücke zustimmen mussten. Keine Selbstverständlichkeit, wenn man bedenkt, dass eine Hängebrücke, welche touristisch attraktiv ist, vermehrt Wanderer motiviert. Erfreulicherweise konnten die Gespräche positiv abgeschlossen und der Standort gesichert werden.

Bewilligungsverfahren

Bei Bauten ausserhalb der Bauzonen, bei komplexen technischen Neuanlagen, Strassen und Wegen sind verschiedene kantonale Stellen involviert. Forst, Jagd und Fischerei, Umweltschutz, Strassen- und Tiefbauverwaltung, Gewässerbau und Raumplanungsamt müssen sich zu dem Thema äussern. In diesem besonderen Fall natürlich nicht nur auf der St.Galler-Seite sondern die gleichen Behörden auch auf der Appenzeller-Seite. Damit ein solches Projekt innert nützlicher Frist überhaupt funktionieren konnte, wurde bei den beiden Baudepartements-Vorstehern ein Gesuch eingereicht um Koordination. Ohne die Unterstützung der Regierungsräte und die Koordinationsbereitschaft der Behörden wäre das Projekt wahrscheinlich noch in der Vorprüfung.

Öffentliche Auflage

Die Verlegung von Strassen und Wegen müssen öffentlich aufgelegt werden. Das ist in der Regel die Prüfung, ob die Bevölkerung, die Anwohnerschaft, Umweltverbände und weitere tangierte Einspracheberechtigte sich mit dem Projekt anfreunden können. Erfreulicherweise konnte im Bericht aufgezeigt werden, dass nicht nur ein Eingriff in die Landschaft stattfindet mit einer neuen Brücke, sondern dass durch die Renaturierung im Mattenbach auch ein Mehrwert entsteht für das Wald-Biotop und damit eine ruhigere Zone im Wald entstehen kann. In der Folge waren die Plangrundlagen somit rechtskräftig und genehmigungsfähig für die beiden Kantone.

Grundbuchrechtliche Regelungen

Im Grundbuch werden privatrechtliche Vereinbarungen eingetragen und verschiedene Themen geregelt, mittels Dienstbarkeiten; es werden also die Rechte und Lasten beschrieben. Hätte man eine gedeckte Holzbrücke gebaut, wäre dies unproblematisch gewesen, weil diese als „Gebäude“ zählt. Eine Hängebrücke, welche im Prinzip nur aus Drahtseilen und Wegplatten besteht, zählt nicht zu den Bauten sondern ist eine Anlage. Die Grundbuchämter und Grundbuchinspektorate hatten eine echte Herausforderung, die verschiedenen Bedürfnisse betreffend Eigentum, Unterhalt und Nutzungsrechte so zu formulieren, dass letztlich die beiden betroffenen Gemeinden verpflichtet sind und nicht die Grundeigentümerschaft. Aktuell besteht ein Personaldienstbarkeitsvertrag zwischen den Gemeinden, eine Dienstbarkeit für den Bestand der Brücke als Last auf den jeweiligen Grundstücken und eine Unterhaltsverpflichtung der Gemeinde Eggersriet mit der privaten Grundeigentümerschaft. Jede Gemeinde organisiert, finanziert und unterhält die entsprechenden Wege bis zur Brücke selbständig, was natürlich auch einer Regelung bedarf.

Bewilligung und Submission

Nachdem sämtliche kantonalen Bewilligungen eingeholt waren, konnte der geologische Detailbericht ausgearbeitet sowie die öffentliche Ausschreibung der Arbeiten vorgenommen werden. In der öffentlichen Ausschreibung bei einer Hängebrücke ist speziell, dass die Ingenieurarbeiten, die Bauarbeiten und die Brückenarbeiten in der Regel als Generalunternehmervertrag formuliert sind. Dies vor allem deshalb, weil es extrem wichtig ist, dass die verschiedene technischen Themen ineinander greifen und ein Gesamtbauwerk entsteht, wo der Generalunternehmer die Verantwortung trägt. Somit wurde nicht ein Baumeisterauftrag, ein Stahlbauauftrag oder ähnliches ausgeschrieben, sondern das Gesamtprojekt. Für die Bauherrschaft war rasch klar, welches Projekt das wirtschaftlich günstigste war, welche Unterlagen seriös ausgearbeitet wurden und somit ging der Entscheid an eine Berner Firma. Ein Mitbewerber hat gegen diesen Entscheid Beschwerde erhoben, weil er sich als „qualifizierter“ erachtete. Der Entscheid des Verwaltungsgerichtes war eindeutig, das Gericht hat der Klage keine aufschiebende Wirkung erteilt. Das Beschwerdeverfahren hat zu einer spürbaren Verzögerung im Projektfortschritt geführt. Der Werkvertrag kann nämlich erst abgeschlossen werden, wenn der Auftrag rechtskräftig an eine Firma erteilt ist, die Rechtsverfahren also abgeschlossen sind.

Bauphase

Nachdem klar war, dass im Jubiläumsjahr der Kantonalbank die Umsetzung nicht mehr möglich ist, wurde mit den Vorarbeiten im Jahr 2018 begonnen und der eigentliche Brückenschlag auf das Jahr 2019 vertagt. Die Bauzeit einer Hängebrücke ist sehr kurz, in rund 2 Monaten kann ein solches Projekt problemlos erstellt werden. Eigentlich war die Verzögerung ärgerlich, aber kein Problem, denn die Wandersaison beginnt im Frühling und bis dahin war die Umsetzung möglich.

Technische Rahmenbedingungen

Die Fussgängerhängebrücke ist 180 Meter lang, hat eine Gehwegbreite von 0,65 Meter am Boden und 0,90 Meter beim Handlauf. Aus Sicherheitsgründen ist die Geländerhöhe 1,25 Meter. Die Nutzlast der Brücke ist rund 30 Tonnen. Dies würde bedeuten, dass 360 Personen mit 80kg Körpergewicht die Brücke gleichzeitig betreten könnten. Dies ist aber unrealistisch, weil kaum je eine so grosse Personenanzahl auf der Brücke sein wird. Entsprechend dieser Maximalbelastung wurde die Traglast um den Faktor 1,5 erhöht, also auf 45 Tonnen, damit genügend Reserven bei der Traglast sind. Beim Schneefall, wenn über 20cm Schnee auf dem Brückenboden liegt, ist die Absturzgefahr zu hoch, denn die Geländerhöhe von dannzumal rund 1m ist für eine Hängebrücke zu tief. In so einem Fall müsste die Brücke geschlossen oder von der Schneefracht befreit werden. Windgeschwindigkeiten von 150 km/h sind problemlos und Böenspitzen bis zu 200 km/h in die Berechnung eingeflossen. In dieser Exposition im Tobel- und Waldbereich ist nicht zwingend mit solchen Winden zu rechnen. Sinnvollerweise wird aber die Brücke nicht mehr begangen, wenn Windgeschwindigkeiten von über 75 km/h gemessen werden, das Schaukeln ist dann nicht mehr angenehm für die Fussgänger. In der Regel ist in einer Wettersituation mit solchen Windgeschwindigkeiten das Begehen eines Waldes und das Wandern nicht im Vordergrund. Entgegen der früheren Kalkulation konnten die geschenkten Tragseile der Seilbahn nicht verwendet werden, die Brückenbaufirma hat neue Seile gefordert. Dies nicht, weil die alten Seile nicht tauglich wären, sondern weil das Ingenieurteam die genaue Konfektion der Seile auf dieses Projekt hin berechnet hat betreffend Temperaturdifferenzen, Windgeschwindigkeiten, Nutzlast und Eigenlast sowie auch betreffend der Zugkräfte der Bodenanker. Die Verankerung im Boden ist ein Thema für sich, tragen doch bei einer Hängebrücke diese Seile die gesamten Lasten des Objektes und diese Kräfte werden in den Boden abgeleitet. Dass bei der Verankerung die Baumeisterarbeiten intensiv überwacht und die Zugfestigkeit der Bodenanker entsprechend geprüft wurden, ist eine Selbstverständlichkeit. Die Kosten der Brücke liegen bei rund CHF 460‘000, die Nebenkosten sind rund 10% davon. In diesen Kosten sind die Wegbauarbeiten und die Forstarbeiten nicht eingerechnet. Diesbezüglich war auf der Eggersrieter-Seite spürbar mehr zu investieren.

Unterhalt

Das Bauwerk benötigt wenig Unterhalt, nebst dem Räumen des Schnees sind keine wesentlichen Arbeiten vorgesehen. Im Abstand von zwei bis vier Jahren werden durch die Brückenbaufirma Servicearbeiten durchgeführt, welche von den Werkdiensten der Gemeinden unterstützt werden. Dabei geht es insbesondere um die Abspannseile, die Stütze (Pylon) und die Kontrolle der Abspannseile, welche zu den Bodenankern führen. Wenn diese Unterhaltsarbeiten regelmässig gemacht werden, wird das Bauwerk erst in rund 50 Jahren einen grösseren Unterhalt brauchen.

Zusammenfassung

Wenn auch die Hängebrücke nicht die günstigste Variante für einen Brückenschlag über den Mattenbach war, konnten durch das Jubiläumsgeschenk der St. Galler Kantonalbank und den Baubeitrag des Kantons St. Gallen die Baukosten auf ein normales Mass reduziert werden. Die Gemeinden hatten also nicht mehr zu investieren, wie für eine andere Brückenlösungen. Touristisch ist aber eine Hängebrücke allemal viel attraktiver und eine Hängebrücke von dieser Länge hat in der Ostschweiz ein Alleinstellungsmerkmal. Die anspruchsvolle Geologie am Mattenbach und die „bewegten“ Ufer, welche auch in den kommenden Jahren einige Überraschungen bieten werden, insbesondere auch für die unterliegenden Brücken und das Bahntrasse der Appenzeller Bahnen, vermögen auch weiterhin zu beschäftigen. Zuerst werden aber noch weitere Forstarbeiten angegangen, um die schweren Bäume aus dem Uferbereich und den Uferböschungen zu entnehmen. Rückbauten von alten Weganlagen sind noch ausstehend, wie auch ein Schutzbau bei den Appenzeller Bahnen. Inskünftig dürften aber nicht mehr so spektakuläre Aktionen stattfinden wie die Einweihung einer Hängebrücke.



Datum der Neuigkeit 10. Mai 2019
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